Taqwa – mehr als nur Gottesfurcht

In dem kurzen Video von Noman Ali Khan über das „Fasten ohne Taqwa“ (englisch) erklärt er an dem arabischen Wort, dass Taqwa nicht nur Gottesfurcht bedeutet, sondern auch Schutz – Schutz vor sich selbst und den Sünden, die man begehen könnte. Das wirft für mich ein anderes Licht auf diesen Begriff und macht es verständlicher.

Indem man Taqwa hat, wird jede Situation, in der wir eine Sünde begehen könnten, genau durch diese Gottesfurcht verhindert. Wir gedenken in diesem Moment Allahs und halten uns vor allem deswegen davon fern, weil wir dem Feuer entgehen wollen – weil wir ins Paradies wollen. Taqwa ist somit ein wichtiger Bestandteil unseres Glaubens und eine wichtige Vorraussetzung, um das Paradies zu erreichen. Diese Wichtigkeit ist nicht zu unterschätzen.

Sehr gut erklärt Noman Ali Khan auch in diesem Video, welchen Zusammenhang das mit dem Fasten hat. Es ist wie ein Training. Indem wir Durst und Hunger verspüren und gegen unseren Körper kämpfen, der darum bettelt, wird unser Herz gestärkt – da wo Taqua zu finden ist. Unser Herz gewinnt über unseren Körper und nur durch das Training (Fasten), erhöhen wir die Gottesfurcht. Es geht vor allem darum, beim Fasten sich nicht durch „Faulenzen“ abzulenken, sondern bewusst die Vorgänge im Körper zu spüren. Fasten ohne Taqwa ist kein wirkliches Fasten.

In einem anderen Video erläutert Noman Ali Khan in der Khutba „Wer sind die Menschen mit Taqwa“ (englisch) anhand der Verse 132 bis 136 der Sure 3, Al-Imran, wie Allah wa ta’ala die Menschen mit Taqwa beschreibt. Dazu gibt es eine englische Zusammenfassung auf  der Seite nakcollection.com, die ich nicht wortwörtlich, aber ungefähr ins Deutsche übersetzen werde:

Zunächst wird darauf hingewissen, dass im Qur’an sehr oft das Wort Taqwa benutzt wird (über 200 mal) und obwohl man als Muslim über Taqwa Bescheid weiß, man doch immer wieder daran erinnert werden muss, denn wir vergessen es doch schnell. Die beste Erinnerung erhält man durch den Qur’an selbst.

„und gehorcht Allah und dem Gesandten; vielleicht werdet ihr Erbarmen finden“ (3:132)

Wenn man die Hoffnung auf Erbarmung Allahs hat, dann hängt das von der Gehorsamkeit zu Allah und seinem Gesandten (sallallahu alayhi wa salam) ab. Wenn man also sich Erbarmen von Allah erhofft, so sollte man ihm gehorchen.

„Und wetteifert nach der Vergebung eures Herrn und nach einem Garten, dessen Breite der von Himmel und Erde entspricht, der für die Gottesfürchtigen vorbereitet ist“ (3:133)

„Wetteifern“ bedeutet hier eher sich fast rennend (beeilend) zu etwas hin zu bewegen. In einem Vers zuvor spricht Allah von den Menschen, die sich sozusagen um die Dunya (wetteifernd) bemühen. Nun spricht er aber von der Vergebung, um die man sich (wetteifernd) bemühen soll. Da wir uns meist um Dinge bemühen die wir als wichtig erachten und die wir brauchen, muss man hier erkennen, das wir die Vergebung brauchen. Und warum? Weil wir stets Sünden begehen – wir sind nicht frei davon.

Im zweiten Teil des Verses geht es um das Bemühen, das Paradies zu erreichen, welches für die vorbereitet wurde, die furchtsam und vorsichtig sind. In den nächsten Versen geht Allah wa ta’ala näher auf die Eigenschaften dieser Gottesfürchtigen ein.

1. Eigenschaft der Gottesfürchtigen

 „, die da spenden in Freud und Leid…“ (3:134)

Wir haben das Paradies nie gesehen, aber Allah verspricht es uns. Würden wir von jemanden etwas kaufen, ohne es vorher gesehen zu haben? Der Tausch für das Paradies wird hier als „Spenden“ beschrieben, dabei geht es nicht nur um das Geld, sondern auch die Zeit, die Energie, Gesundheit, Jugend, Prioritäten etc. All das geben wir Allah als Tausch für das Paradies. Wir geben somit etwas auf, was wir lieben und das um Allahs Willen, um ihn zufrieden zu stellen.

2. Eigenschaft der Gottesfürchtigen

„…und den Groll (Ärger, Wut) unterdrücken…“ (3:134)

Unterdrücken bedeutet Selbstkontrolle – den Ärger zu schlucken, so das er nicht mehr da ist, ähnlich wie Essen, dass weg ist, sobald man es geschluckt hat. Das bedeutet, man sollte noch nicht mal ansehen können, dass man sich gerade ärgert. Wenn wir uns wegen jeder Kleinigkeit aufregen und wütend werden, wie können wir erwarten, das Allah wa ta’ala unsere großen Sünden vergibt? Das würde ein Mangel an Beherrschung zeigen.

3. Eigenschaft der Gottesfürchtigen

„…und den Menschen vergeben. Und Allah liebt die Rechtschaffenen.“

Hierbei geht es nicht nur um das Vergeben, sondern um das Vergebung aus Liebe. Wer denen vergeben kann, die Unrecht taten und gegen niemanden schlechte Gefühle hegt, wer nicht wegen deren Willen ihnen vergibt, sondern des eigenen Willens wegen, der kann ein Teil der Leute mit Taqwa sein.

Wenn man abwägt: dem Ärger freien Lauf lassen und Vergeltung  ausüben oder Vergebung von Allah erhalten – was überwiegt an Wertigkeit?

4. Eigenschaft der Gottesfürchtigen

„Und diejenigen, die – wenn sie etwas Schändliches getan oder gegen sich gesündigt haben – Allahs gedenken und für ihre Sünden um Vergebung flehen; und wer vergibt die Sünden außer Allah? – und diejenigen, die nicht auf dem beharren, was sie wissentlich taten“ (3:135)

Die Gottesfürhtigen sind die, die nach einer Sünde um Vergebung bitten.

Shaytan hat einen Trick: wenn man etwas Schlechtes getan hat und durch diese Tat verantwortlich für jemanden ist, dann vermeidet man den Kontakt zu demjenigen, weil man weiß, dass man ihn enttäuscht hat. Wenn wir sündigen, haben wir Allah wa ta’ala enttäuscht. Shaytan versucht dich von Allah zu distanzieren, indem er einflüstert, dass man ein Heuchler ist mit zwei Gesichtern und so nicht vor Allah treten kann.

Doch wir müssen dies überwinden und Zeit finden, um Allah um Vergebung zu bitten, denn wer sonst kann uns unsere Sünden (im Geheimen) vergeben?

Das Beispiel des Kindes, das von seiner Mutter angeschrien und geschlagen wird, aber dennoch sich ihr zuwendet und sich entschuldigt, weil es sonst keinen hat, zeigt uns das Verhältnis von uns zu Allah. Selbst wenn wir enttäuscht haben und nicht dem Standard unseres Herrn gerecht wurden, dürfen wir nicht die Hoffnung auf die Vergebung Allahs verlieren. Es ist uns nicht erlaubt, diese Hoffnung zu verlieren.

 Mein Fazit über Taqwa:

Gottesfucht ist wichtig und muss trainiert werden, damit wir uns vor den Sünden schützen können. Und selbst wenn wir wieder versagen sollten, dann muss die Gottesfurcht soweit trainiert sein, dass wir nicht müde werden, stets um Vergebung zu bitten.

 

 

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