Ramadan – eine Erklärung für die Nichtmuslime

Zu Weihnachten, Ostern oder anderen nichtmuslimischen Festen wird in Deutschland schon Monate vorher dekoriert, passende Artikel verkauft und in den Medien darauf vorbereitet und eingestimmt. Wir Muslime wissen also sehr gut über die Sitten und Bräuche der Nichtmuslime Bescheid. Warum also sollten unsere nichtmuslimischen Mitmenschen nicht auch etwas über unsere Feste erfahren.

Aus diesem Grund habe ich folgenden Text verfasst und in einen Flyer gepackt, den man ausdrucken und verteilen kann. Meine Nachbarn haben sich bisher immer über solche Informationen gefreut, weil sie dadurch ein besseres Bild über uns Muslime bekommen konnten. 

flyer_ramadan_2018 (anklicken und PDF wird automatisch heruntergeladen)

Inhalt des Flyers

folgende Infos:

Kurze Fakten zu Ramadan

  • Ramadan ist der 9. Monat des arabischen Kalenders. Weil dieser 11 Tage weniger hat, als der gregorianische Kalender, verschiebt sich Ramadan jedes Jahr um genau diese 11 Tage zurück. Das hat den Vorteil, dass jeder Muslim in seinem Leben nicht nur in den langen Sommermonaten fasten muss, sondern auch mal in den kürzeren Wintermonaten.
  • Fasten bedeutet ab der Morgendämmerung bis Sonnenuntergang nichts mehr essen, trinken, rauchen und Geschlechtsverkehr haben (auch andere weltliche Genüsse können vermieden werden und gänzlich den gottesdienstlichen Handlungen weichen).
  • Fasten muss jeder Muslim ab der Pubertät, der im geistig gesunden Zustand ist und körperlich keinen Schaden durch das Fasten von sich tragen könnte. Das heißt: Schwangere, Stillende, Kranke und Kinder müssen nicht fasten. Frauen in ihrer Menstruationsphase müssen solange aussetzen bis sie wieder rein sind.
  • Nach Sonnenuntergang wird wieder gegessen und getrunken. Oft treffen sich die Muslime dann zusammen und durchführen das sogenannte Fastenbrechen.
  • Kurz vor Sonnenaufgang wird meist noch mal etwas gegessen und reichlich getrunken, damit dann der neue Tag mit Fasten begonnen werden kann.
  • Ein fastender Muslim ist nicht von seiner Arbeit befreit. In den letzten 10 Tagen von Ramadan werden in den Moscheen, aber auch zu Hause die Nächte hindurch gebetet und gottesdienstliche Handlungen durchgeführt. In dieser Zeit warten die Muslime auf eine ganz bestimmte Nacht, die nicht vorher feststeht, aber reichlich Belohnung mit sich bringt, wenn man diese im Gebet verbracht hat.
  • Zu Ramadan wird traditionell viel gekocht und an die Nachbarn verteilt. Arme werden gespeist und Spenden vermehrt.

Gründe für das Fasten

 Zunächst muss man sagen, dass wir Muslime wissen und darauf vertrauen, dass Allah, der uns erschaffen hat und am besten über uns Bescheid weiß, mit seiner allwissenden und allweisen Eigenschaft nur das als Gebot vorgibt, was gut für uns ist und das als Verbot vorgibt, was auch tatsächlich schlecht für uns ist. Man muss dabei nicht immer verstehen und erkennen, was dahinter steckt, aber gerade was das Fasten betrifft, so gibt es klar erkennbare Vorteile, welche dann letztendlich auch die Gründe sind, warum wir Muslime uns an dieses Gebot Allahs halten:

1. Viele Genüsse im Leben sind für uns selbstverständlich, wir danken viel zu wenig dafür und vergessen ihren Wert. Wenn man diese Dinge nicht mehr hat, dann ist das alles nicht mehr so selbstverständlich und wir lernen, dankbar für das zu werden, was wir haben.

2. Außerdem wird gerade im Monat Ramadan sehr darauf geachtet, Verbotenes zu vermeiden, denn das Fasten hat erst dann richtig Gültigkeit, wenn man sich auch an alle anderen Gebote und Verbote Allahs hält. Das stärkt die Routine und bessert die Gottesfürchtigkeit. Zwar bemüht man sich das Ganze Jahr über, aber es ist nicht immer einfach und mit dem Wissen, dass gerade im Monat Ramadan gute und schlechte Taten mehrfach bewertet werden, wird die Motivation erhöht.

3. Viele Menschen auf der Welt leben in Armut und Hunger. Das vergisst man schnell im eigenen hektischen Alltag. Unser Überfluss lässt uns ebenso diese Tatsache häufiger vergessen. Das Fasten ist eine gute Möglichkeit eine wichtige Eigenschaft dafür zu entwickeln, einfühlsamer zu werden und sich in dieses armen Menschen zu versetzen, die täglich hungern und dursten müssen. Es stärkt das Mitgefühl und verleitet dazu, sich mehr um die Belange der Ärmeren zu kümmern.

4. Das Fasten ist für uns Muslime nicht nur ein Mittel, viel mehr gottesdienstliche Handlungen durchzuführen und uns somit Allah bewusst zu werden, es hält uns auch vor den bösen Einflüsterungen des Teufels fern, der uns damit gern verführt Schlechtes zu tun. Durch unseren gestärkten Glauben, hat er es schwerer.

5. Wir Muslime werden uns beim Fasten der Allgegenwärtigkeit Allahs bewusst und stärken somit das Empfinden auch noch für später, wenn Ramadan vorbei ist. Das befähigt uns dazu, uns mehr von den Verbotenem fern zu halten, denn wer möchte schon dabei beobachtet werden, wenn er Schlechtes tut.

6. Durch das Fasten entsagen wir uns der weltlichen Dinge und beginnen wieder mehr nach dem zu streben, was unser eigentliches Ziel ist: das Paradies. Weltliche Dinge können nämlich sehr verlockend sein und uns von diesem Ziel abbringen. Aber das Fasten erinnert uns wieder daran und das kann einen starken Enthusiasmus entwickeln, der später zu mehr guten Taten beflügelt.

Das Fest des Fastenbrechens

Nach Ramadan beginnt das dreitägige Fest des Fastenbrechens, wo sich die Familien treffen, zusammen gegessen wird, Geschenke verteilt werden und das erfolgreich bestandene Fasten im Monat Ramadan gefeiert wird.

Für die Kinder ist dieses Fest etwas besonderes, denn im Volksmund wird es auch Zuckerfest genannt, wo keine Einschränkungen im Verzehr von den süßen Leckereien herrscht.

Die Freude auf Ramadan

Jedes Jahr freuen wir Muslime uns auf dieses Ereignis und bereiten uns schon Tage vorher vor.

Mit den Kindern wird gebastelt und dekoriert, in den Moscheen wird immer wieder über die Vorzüge des Fastens gesprochen und die Frauen beschäftigen sich mit den Vorbereitungen für die Mahlzeiten, die bei Sonnenuntergang das Fastenbrechen erfreuen sollen.

Einige Muslime fasten viele Tage vorher freiwillig, wofür sie auch reichlich von Allah belohnt werden können.

 Aus dem Koran:

“O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr (Allah) fürchten.
Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten). Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es (nur) wüsstet!
Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) – Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein.
Und wenn dich Meine Diener über Mich befragen, so bin Ich nahe; Ich höre den Ruf des Rufenden, wenn er Mich ruft. Deshalb sollen sie auf Mich hören und an Mich glauben. Vielleicht werden sie den rechten Weg einschlagen.
Es ist euch erlaubt, euch in der Nacht des Fastens euren Frauen zu nähern; sie sind Geborgenheit für euch und ihr seid Geborgenheit für sie. Allah weiß, dass ihr gegen euch selbst trügerisch gehandelt habt, und Er wandte euch Seine Gnade wieder zu und vergab euch. So pflegt nun Verkehr mit ihnen und trachtet nach dem, was Allah für euch bestimmt hat. Und esset und trinkt, bis der weiße Faden von dem schwarzen Faden der Morgendämmerung für euch erkennbar wird. Danach vollendet das Fasten bis zur Nacht. Und pflegt keinen Verkehr mit ihnen, während ihr euch in die Moscheen zurückgezogen habt. Dies sind die Schranken Allahs, so kommt ihnen nicht nahe! So erklärt Allah den Menschen Seine Zeichen. Vielleicht werden sie (Ihn) fürchten.” Sura al-Baqara (2), Verse 183-187

So sehen die Flyer aus:

flyer2

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11 Kommentare zu „Ramadan – eine Erklärung für die Nichtmuslime

    1. Nö, die kennen mich doch und sind auch sonst ganz nett. Außerdem gebe ich nicht jedem den Flyer in die Hand. Einige bekommen den in den Briefkasten.

      1. Naja, trotzdem ist es denk ich nicht üblich, dass Menschen so tolerant darauf reagieren, wenn sie so einen Flyer bekommen.

      2. Ich habe wohl tatsächlich Glück, alhamdulillah.

        Weißt du, man sollte sich nicht davon einschüchtern lassen und dennoch auf die Menschen zugehen. Ich habe auch bei den scheinbaren Gegnern schon ein Lächeln erzeugen können. Es kommt halt immer darauf an, wie man es rüberbringt.

        Typische Fehler, die ich auch schon gemacht habe und aus denen ich lernte:

        Zu negativ reden.
        Zu hastig und übereifrig reden.
        Zu unwissend oder unüberlegt reden.
        Zu unsicher reden.
        Zu missionierend reden.
        Zu viel reden.

        Mittlerweile erkenne ich meistens, ob mich jemand wirklich interessiert fragt oder nur hinterfragt, was dann nur zu unnötigen Diskussionen führen kann.

        Natürlich habe ich auch Nachbarn, die gehen mir lieber aus den Weg und wollen keinen Kontakt. Die werde ich auch nicht weiter belästigen. Doch die anderen Nachbarn kenne ich und die kennen mich.

        Nachdem ich heute schon ein paar Flyer verteilt habe (die meisten in Briefkästen), kamen schon positive Reaktionen: es interessiert sie halt und das wusste ich bereits vorher.

        Natürlich kann ich auch mal mit meiner Menscheneinschätzung danebenliegen und meine Zeit vergeuten, aber ich sag mir dann immer: Dieser Mensch hatte die Möglichkeit, vom Islam zu erfahren und hat es nicht genutzt. Am Tag des jüngsten Gerichts hat er keine Ausrede mehr.

    2. Und selbst wenn sie komisch anschauen sollten, was sie über mich denken oder reden ist im Verhältnis zu dem Lohn, den ich in shaa Allah bekommen kann doch gar nichts.

  1. Zitat:“Viele Genüsse im Leben sind für uns selbstverständlich, wir danken viel zu wenig dafür und vergessen ihren Wert. Wenn man diese Dinge nicht mehr hat, dann ist das alles nicht mehr so selbstverständlich und wir lernen, dankbar für das zu werden, was wir haben.“

    Man wird nicht dankbar, wenn man gerade mal einen Tag verzichtet. Denn mehr ist es nicht, wenn in derselben Nacht schon wieder gefressen wird. Man ist nicht dankbar dafür was man hat, viel mehr wartet man jeden Tag wie bekloppt auf Sonneuntergang.

    Ramadan ist kein „Fasten“, dieser Begriff ist anders definiert. Es meint wirklichen Verzicht, über eine längere Zeit. Muslime im Ramadan verzichten nur so lange, bis es dunkel wird und keiner mehr sieht, wie sie sich vollfressen. Das ist meine Meinung. Es ist auch super ungesund für den Körper, die Leute nehmen während Ramadan zu, dehydrieren, ein Gott der das möchte will offenbar die Gesundheit zerstören. Das ist meine Meinung zu Ramadan. Und bitte, nenn es nicht „Fasten“. Der deutsche Begriff „Fasten“ ist für was gant anderes bestimmt.

    1. Das Vollfressen wenn die Dunkelheit eintritt ist ganz bestimmt nicht der Sinn im Ramadan, leider tun es aber Einige. Das hat aber nichts mit dem Islam zu tun, sondern mit den Menschen, die das Ganze nicht richtig verstanden oder vorgelebt bekommen haben.
      Dehydrieren sollte man nicht und dafür gibt es klare Regelungen im Islam: wer gesundheitliche Schäden vom Fasten sich zuziehen könnte, soll das Fasten unterbrechen.
      Gefastet wird schon seit Jahrhunderten auf diese Weise und wie jedes Jahr sieht und hört man den gesundheitlichen Aspekt an sich selbst und anderen, wenn 30 Tage vergangen sind – das aber kann man wirklich nur spüren, wenn man es auch so lange durchgezogen hat. Alle anderen sollten sich keine Meinung über die Wirkungsweise des Fastens in Ramadan erlauben.

      Ich empfehle Ihnen es einfach für sich selbst mal zu testen und wirklich durchzuhalten – dann fruchtet ihre Kritik schon eher, weil Erfahrung ein besserer Beweis ist, als leere Meinungen.

  2. As Salam Aleikum wa rahmetullahi wa barakathu

    Liebe Schwester

    Ich würde auch gerne diesen fleier bei mir verteilen! Könnte ich ein PDF zum ausdrucken bekommen wehre echt toll.
    Lg

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